![]() Im FCI-Standard Nr. 125 des English Springer Spaniel heißt es: Verwendung: Stöber und Apportierhund Klassifikation FCI: Gruppe 8 Apportierhunde, Stöberhunde, Wasserhunde Sektion 2 Stöberhunde, mit Arbeitsprüfung. Kurzer geschichtlicher Abriss: Die Rasse ist alten und reinen Ursprungs, älteste der Gundog Rassen. Ursprünglicher Zweck war das Finden und Aufjagen des Wildes bei der Netzjagd, der Jagd mit dem Falken oder dem Greyhound. Wird jetzt gebraucht, um Wild zu finden, hoch zu machen und nach dem Schuss zu apportieren. Etwas weiter unten steht auch, dass Aggressionen unerwünscht sind. Der hier beschriebene Standard trifft mehr oder weniger auf alle Spaniels zu: Apportierhunde, Stöberhunde, Wasserhunde, Aggressionen unerwünscht! Wie man aber auch sieht, hat sich im Laufe der Jahre der Verwendungszweck des ESS geändert, denn wer jagt noch mit dem Netz oder dem Falken? Überlegen wir doch einmal den Verwendungszweck der Hunde im Allgemeinen. Es gibt Jagdhunde, Hütehunde, Herdenschutzhunde, Schlittenhunde. All diese Hunde wurden ursprünglich zu einem bestimmten Zweck gezüchtet. Der ESS wurde als Jagdhund gezüchtet. Jeder dieser einzelnen Bestimmungszwecke setzt eine Verhaltenskonfiguration voraus. Im ESS ist das die Verhaltenskonfiguration „jagen“, mit der er geboren wird. Das heißt er wird geboren mit der Anlage das Jagen zu erlernen, er wird nicht als Jagdhund geboren. Er wird z. B. niemals lernen eine Herde zu hüten wie z.B. der Border Collie, er wird auch nie lernen eine Herde zu beschützen, wie die Herdenschutzhunde, er kann zwar lernen einen Schlitten zu ziehen, aber er wird nie ein Schlittenhund mit allem was dazu gehört. Die Anlage das Jagen zu erlernen ist ähnlich zu sehen, wie die Anlage des Menschenkindes, lesen und schreiben zu lernen. Wenn man einem Kind nicht die Gelegenheit gibt, lesen und schreiben zu lernen, wird es das Kind nicht lernen und das liegt nicht unbedingt nur an der Intelligenz. Ähnlich ist es bei einem Jagdhund. Wenn Sie einem ESS (übrigens betrifft das auch die Cocker Spaniel) nie die Möglichkeit geben das Jagen zu erlernen, wird er kein Jagdhund werden, wenn Sie andernfalls schon im frühesten Welpenalter damit anfangen Ihrem Hund die Möglichkeit zu geben, zu stöbern und auf Wild zu kommen, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass Sie später einen Hund haben werden, den Sie guten Gewissens nicht frei laufen lassen können. Nach unserer Erfahrung wird ein ESS, der gelernt hat zu stöbern immer wieder Probleme bereiten, wenn er ohne Leine im Feld und Wald bei seinem Besitzer bleiben soll. Bedenken Sie immer: Jagen ist selbstbelohnend da kommen auch Leckerlis und eine enge Führerbindung nicht dagegen an! Wenn nun im Standard steht, dass der ESS ein Stöberhund mit Arbeitsprüfung sein soll, dann heißt das, den Titel Internationaler Champion kann er nur dann erringen, wenn er eine Arbeitsprüfung abgelegt hat. Dass also der Standard nur dann erfüllt wird, wenn der ESS neben allen Exterieur-Merkmalen auch seine Eignung als Jagdhund nachgewiesen hat. Genau genommen sollte nun jeder Züchter nicht nur auf Schönheit, sondern auch auf Leistung züchten. ABER: Im Laufe der Jahre hat sich die Verwendung des ESS als Jagdhund doch erheblich geändert, sollte es nicht in der heutigen Zeit möglich sein den Standard an die heutigen Gegebenheiten anzupassen? Muss man wirklich um standardkonforme ESS zu haben, die jagdliche Eignung des ESS nachweisen, obwohl genau diese Eignung so sehr gegen einen Familienhund spricht? Der ESS wird als Rasse, wie alle anderen Spaniels auch, nur überleben wenn der Schritt vom Jagdhund zum Begleithund getan wird und dazu gehört, dass nicht immer wieder behauptet wird, nur der auch jagdliche und nach Möglichkeit auch spurlaute Spaniel entspricht voll und ganz dem Standard. Ist es deshalb wirklich erforderlich, die Besitzer immer und immer wieder darauf hinzuweisen mit ihrem Spaniel doch eine Anlageprüfung zu besuchen um zu zeigen, dass eben auch die jagdliche Eignung noch nicht verloren gegangen ist? Ist es nötig immer und immer wieder zu behaupten, nur der Spaniel ist ein wirklicher Spaniel, der sowohl Schönheit und Leistung in sich vereinigt? Ich stelle mir gerade eine Familie vor, die mit ihrem Spaniel einen Waldspaziergang macht, vielleicht kurz nachdem sie mit ihrem Spaniel eine Prüfung absolviert haben, sie haben auch die Treffen der JAGs (Jagdkynologische Arbeitsgemeinschaften innerhalb des Jagdspaniel-Klub) regelmäßig besucht. Der Spaniel trottelt ganz brav mit, man unterhält sich die Kinder springen herum und der liebe Hund bekommt ganz plötzlich einen unwiderstehlichen Geruch in die Nase, er geht. Man merkt es nicht gleich, eben war er ja noch da! Plötzlich ein giftiger Laut, den bestimmt nicht nur die Besitzerfamilie hört, dann kommt im Flug ein Reh mit Kitz über den Weg gesprungen der Spaniel in kurzem Abstand hinterher… wiff wiff wiff…… Kurze Zeit später kommt der Forstmann des Weges, der natürlich auch das wiff wiff wiff gehört hat, ein anderer Spaziergänger hat im vielleicht noch mitgeteilt, dass da so ein Köter ein Reh mit Bambi jagt. Der Spaniel kommt gerade in dem Augenblick zurück mit einem Gesicht das höchste Zufriedenheit ausdrückt. Den Dialog, der sich jetzt zwischen den Parteien entwickelt brauche ich hier nicht wiederzugeben, oder? Das geht dann von „mein Hund jagt/wildert nicht, er ist ja schließlich ausgebildet“, bis zu „man muss ja schließlich seinem Hund auch etwas gönnen“… usw. Nun wenn das dann öfters passiert, kommt die liebe Familie vielleicht auf den Trichter, dass da jetzt etwas passieren muss. Man geht zu der nächsten Hundeschule oder zum Hundeplatz. Man wird dort erklären, dass der Hund ein ganz böser ist, der nicht mehr hört sondern immer wieder jagen geht und man nur noch Ärger hat. Die Ausbilder dort werden das Beste tun um dem Hund das Jagen abzugewöhnen. Es wird auch besser werden, ganz bestimmt, aber glauben Sie mir, wenn er die Gelegenheit bekommt wird er wieder jagen gehen…… Diesen ganzen Ärger kann man einfach dadurch umgehen, indem man den Spaniel nicht zum Jagen kommen lässt. Wenn man in frühester Jugend die Weichen stellt! Es ist so einfach und es wird Ihnen später soviel Ärger ersparen. Selbstverständlich können diese Spaniels dann niemals auf einer Prüfung geführt werden und sie werden niemals den Titel Internationaler Champion erringen können, aber Sie werden einen Spaniel haben mit dem Sie ohne Probleme in Feld und Wald spazieren gehen können. Zuletzt noch ein Wort zum so genannten Spurlaut. Die ESS wurden ursprünglich zum Finden und Aufjagen des Wildes gezüchtet. In Deutschland hat man aus diesem englischen Spezialisten einen Allrounder gemacht (machen wollen), einen spurlauten Stöberer (ähnlich dem Deutschen Wachtel). Das ist zumindest beim Cocker Spaniel ganz gut gelungen. Es gibt im Jagdspaniel-Klub eine Prüfungsordnung nach dem FCI Reglement B, nach der die Spaniels die Prüfungen bestehen müssen. In Spanien und Frankreich wird nach dem Reglement A geprüft, das die ursprünglichen Spanielaufgaben beinhaltet. Nach Reglement B muss ein Spaniel als Stöberhund laut sein, nach Reglement A darf der nicht laut sein .In Deutschland gibt es inzwischen viele spurlaute ESS. Diese sind nach den Prüfungsbestimmungen des Jagdspaniel-Klubs die erwünschten jagdlich leistungsfähigen und schönen Hunde. Im Standard jedoch steht nichts vom Spurlaut, aber trotzdem wird er unbeirrt verlangt. Für mich ein Widerspruch! Wenn man schon den Standard voll und ganz erfüllen soll, dürften die ESS eigentlich nicht laut sein. Leider ist eine Diskussion in Jägerkreisen über dieses Thema nach meiner Erfahrung nicht möglich. Auch die teilweise so gerne genannte und wohl teilweise erwünschte Wildschärfe ist für mich ein Widerspruch zum Standard, in dem ein Hund ohne Aggressionen verlangt wird. Ein wildscharfer Hund ist aggressiv, sonst wäre er nicht wildscharf. Ein ESS soll sich jedoch mit allen Menschen und Tieren vertragen. Mein Fazit: Ein Jagdhund wird nicht geboren ein Jagdhund wird dazu erzogen! Sie wollen einen Jagdhund? Dann erziehen Sie ihn als solchen. Sie wollen einen Begleithund? Dann lassen Sie ihn nicht jagen und bilden Sie ihn nie als Jagdhund aus! In jedem Fall wird der English Springer Spaniel Welpe zu dem Hund werden, zu dem SIE ihn machen! © Renate und Dietmar Schleicher, 2002 |