Jahresrückblick 2007


Am Ende eines Jahres schaut man gerne oder auch ungern zurück, was das letzte Jahr so gebracht hat, an Erfolgen, schönen Erlebnissen und natürlich auch an Negativem.

Man überlegt sich, was hat überwogen?

Meine ganz persönliche Jahresbilanz fällt eher etwas negativ aus. (Immer bezogen auf alles was mit Hunden zu tun hat.)

Fangen wir mit dem Januar an. Ende Januar fiel ein wunderschöner Wurf nach Jodie und Tabasco, der unsere Erwartungen voll erfüllt hat. Aus diesem Wurf haben wir uns eine Hündin behalten "EMMA", die uns von Anfang an mit ihrem absolut typischen Wesen verbunden mit einem äußeren, wie wir uns einen ESS vorstellen, bezaubert hat. Emma ist in jeder Beziehung für uns der English Springer Spaniel schlechthin. Hoffen wir, dass die Untersuchungen, die nächstes Jahr stattfinden (HD, DNA-Tests und Zuchtzulassung) zu unserer Zufriedenheit ausfallen.

Der Februar und auch der März gingen mit Welpenaufzucht dahin. Eine Zeit, die uns auch nach vielen Jahren des Züchtens immer noch allergrößte Freude bereitet... Im März war ich dann nach längerer Zeit wieder einmal auf einer Ausstellung. Auf der CACIB in Offenburg stellte ich unsere damals ca. 8 Monate alte Nachwuchshündin Paula in der Jüngstenklasse aus. Bereits auf dieser Schau bekam ich einen Vorgeschmack auf das, was mir dieses Jahr blühte. Ich dachte immer die Jüngstenklasse ist so zur Vorbereitung und zur Erfahrungssammlung eines jungen Hundes gedacht, aber weit gefehlt... Ich sollte eine Runde mit meinem vollkommen ringunerfahrenen Hund laufen. Weil dieses nicht gleich so ganz nach meiner Vorstellung war, rannte ich noch eine Runde weiter. Was mir einen bösen Blick von der Richterin eintrug und ein Anblaffen "ich hatte gesagt nur eine Runde". Also meine Erfahrung von dieser Ausstellung: Ein Jüngstenklasse-Hund muss schon so funktionieren, wie ein Championklasse Hund, eine Erfahrung, die ich im Laufe des Jahres so noch öfters erleben musste. Eine Runde, ein Diagonale, der Hund läuft, dann ist es gut, er läuft nicht, auch gut, kommt für die vorderen Plätze nicht mehr in Frage.

Der April wurde dann überschattet von dem Tod von Cherry. Kam er auch nicht vollkommen unerwartet, traf es uns doch sehr tief. Sie wurde 14 Jahre und 2 1/2 Monate, von denen sie mehr als 13 Jahre mit uns verbracht hat. Sie hinterließ eine große Lücke und es stimmt einfach nicht, wenn man sagt sie lebt in ihren Kindern und Enkeln fort. Die führen ein ganz eigenes und anderes Leben - und Cherry war auf ihre Art einmalig für uns. Leider kostete uns der Verlust von Cherry noch einen anderen Hund aus unserer Meute. Genauso wie damals als Chips starb Daisy Probleme mit unseren anderen Hunden bekam, hatten wir wieder ein Problem:
Ein starker Hund hatte das Rudel für immer verlassen und die Karten wurden neu gemischt. Paula bekam Probleme mit dem Rest der Mannschaft. Sie war eine Hündin für die ich ihr Gott war und die Eifersucht auf meine restlichen 5 Hündinnen war nicht in die richtigen Bahnen zu lenken und so beschlossen wir sie abzugeben. Aber das kommt erst später.

Der Mai plätscherte so dahin und Anfang Juni gingen wir wieder einmal auf eine Ausstellung, Die Spezialzuchtschau in Neuss war ein Highlight und es machte richtig Spaß dort auszustellen. Die CACIB in Salzburg war auch im Juni. Auch dort hatten wir eine Menge Spaß.

Im Juli war dann unsere Nürtinger Schau mit einem überforderten Richter. Schade. Ende Juli kam dann die Doppelschau in Stockerau mit exzellenter Richterbesetzung und guter Organisation. Hier konnte ich sehen, wo meine Hunde in guter Konkurrenz stehen und ich war zufrieden (auch wenn wir nicht gewannen).

Im August kam dann die Clubshow in Soltau, die mir auch eher in negativer Erinnerung bleibt. Auch hier: Ein Hund hat zu funktionieren, d.h. er muss laufen und bereits in einer Runde sein ganzen Potential zeigen, denn eine 2. Chance bekommt er nicht. Die CACIB Innsbruck war dieses Jahr wohl die schlimmste Erfahrung und danach hatte ich einfach keine Lust mehr auszustellen.

Zwischendurch waren wir mit Paula noch zur Zuchtzulassung und an diesem Tag hat sie sich von ihrer absolut besten Seite gezeigt. Der Bericht war überaus positiv und ich wusste, dass ich einen Hund an der Leine habe, der anatomisch korrekt und mit überragender Bewegung ausgestattet ist (wenn sie eben diese Bewegung auch zeigt, was nicht immer der Fall war).

Leider gab es dann mit Paula im September einen rabenschwarzen Tag und eine Beißerei mit meinen anderen Hunden, sodass wir uns gezwungen sahen diese wunderschöne Hündin abzugeben.

Meine Lust am Ausstellen war für dieses Jahr gestillt. Jagdliche Führung meiner Hunde ist schon viele Jahre kein Thema mehr und meine Lust am Hundesport hält sich auch in engen Grenzen. Was für mich und meine Hunde im Vordergrund steht, war und ist die Bewegung in freier Natur bei jedem Wetter. Das ganze Jahr war ausgefüllt mit vielen schönen Spaziergängen, von denen meine Hunde müde und glücklich zurückkommen. Durch die konsequente nichtjagdliche Erziehung bin ich in der glücklichen Lage meine Hunde frei laufen lassen zu können.

Leider war ich dieses Jahr, wie die Jahre vorher, nicht in England auf einer Show. Aber das kommt bestimmt im nächsten Jahr.

Jedenfalls kann ich die Erfahrungen, die ich dieses Jahr auf Ausstellungen gemacht habe wie folgt zusammenfassen:

Immer mehr Richter richten Rassen, die sie nicht kennen und zu denen sie keinen Bezug haben. Die Richterbesetzung wird nicht nach den Gesichtspunkten getroffen, was ist gut für die Rasse sondern ganz banal, wie komme ich als Veranstalter am billigsten weg, wem muss ich wieder einmal etwas gutes tun, wer ist dran mit einer Einladung. Wobei ich mich immer wieder frage, was ist so erstrebenswert daran Woche für Woche Rassen zu richten, die den Richter eigentlich gar nicht interessieren? Es sicherlich interessant, die Rasse oder die Rassen zu richten, die man selbst hat oder züchtet. Aber Woche für Woche irgendwelche Rassen? Macht es wirklich Spaß jede Woche in einer ungemütlichen lauten Halle zu stehen und zu richten? Sind es wirklich die Hunde? Oder ist es vielmehr ein Wichtignehmen der eigenen Person? Eine Macht, die man vielleicht in anderen Bereichen nicht hat? Der Aussteller darf nicht widersprechen und es gibt viele, die vieles tun, nur um vorne zu stehen. Haben das unsere Hunde und die Zucht verdient? Profilierungssüchtige, die nicht mehr wissen was wichtig ist, die selbst keine Hund mehr haben, weil sie soviel in Sachen Richterei unterwegs sind, schon lange nicht mehr züchten (wenn sie es denn je getan haben), eben weil die so genannte Kynologie soviel Zeit in Anspruch nimmt. Die sich selbst als Kynologen bezeichnen, aber nicht wissen, dass ein Hund der "fröhlich" wedelnd durch den Ring läuft, nicht zwangsläufig auch freundlich gestimmt ist?

Die Zuchtschauen verkommen immer mehr zu Ausstellungen, bei denen das Showelement gefragt ist. Der Hunde-Blender, der oft vorne steht ist nicht unbedingt auch ein wirklich guter Vertreter seiner Rasse. Oder wie kann es sein, dass ein Hund, der von einem Spezialrichter ein SG bekam (unter anderem wegen der oberen Größe) wenige Wochen später bei einem Allrounder BOB und anschließend auch noch die Gruppe 8 gewinnt (ich habe mal gelernt, dass ein Hund an der oberen bzw. unteren Größengrenze niemals hochtypisch sein kann)? Ist er inzwischen geschrumpft? Was tun diese Richter den Rassen an? Von sich selbst behaupten, einen Blick für Qualität und Harmonie zu haben, natürlich sichere Standardkenntnisse. Sie behaupten das Gesamtbild eines Hundes mit dem Gesamtbild eines Hundes einer anderen Rasse - immer bezogen auf den Standard der jeweiligen Rasse vergleichen zu können. Schnell und kompetent! Bei 300 bis 400 Rassen? Möglich? Unmöglich!!

Leider geht die Tendenz dazu immer mehr Allrounder einzusetzen. Wenn dann auch noch die Allrounder bzw. Gruppenrichter neue Allrounder oder Gruppenrichter ausbilden, ist das für mich wie wenn ein Blinder von Farben redet. Und absolut kontraproduktiv für die Zucht. Das Ergebnis sieht man dann im Ring, siehe oben! Wer von diesen Richtern kennt die Größengrenzen, die tolerabel sind? Ich habe da vor Jahren folgendes erlebt: Mein Mann hat im Ausland Spaniels gerichtet, ich habe, wie die Richterbesprechung war, außerhalb des Raumes gewartet. Da kam eine Richterin raus, die folgendes zum Besten gab "Ich habe heute die Rasse x y zu richten, gut dass ich diesen Rock anhabe, denn die müssen mir ungefähr zum Saum gehen." Auch eine Art Hunde zu vergleichen, hoffentlich ist der Rock während dies Richtens nicht verrückt oder der Saum gerissen. Wer weiß denn, wie das korrekte Haar des ESS beschaffen sein muss? In Richterberichten wird immer wieder das seidige Haar des ESS gelobt, nur der Standard schreibt vor: glatt, dicht und wetterresistent - wie kann dieses Haar seidig sein? Winkelungen: Wir haben keine Cocker und auch keine Schäferhunde. Die Rückenlinie hat gerade zu sein und die Winkelungen sind vollkommen anders angelegt, als bei den Cocker Spaniel. Aber es ist immer wieder zu lesen, bei ESS, die absolut korrekt gewinkelt sind, dass die Winklungen nicht ausgeprägt genug sind. Gangwerk: das freie Schwingen aus der Schulter sollte nicht verwechselt werden mit der Gangart Vorderfüsse hoch! Wie oft sind Springer im Ring zu sehen, die ihre Vorderfüsse hochwerfen und dabei kaum von der Stelle kommen. Manche Richter werten dieses, mangels besseren Wissens, als "typisches Gangwerk",

Ich habe mich jetzt solange mit der Rasse beschäftigt und lerne täglich neu dazu, kann ich das nicht auch von den Richtern erwarten? Eine längst verstorbene Richterin hat mir einmal gesagt: Ein Richter muss die Rasse begleiten, er muss falschen Tendenzen im Anfangsstadium entgegenwirken und richtige bestärken. Das kann er nur, wenn er "in" der Rasse ist. Dem habe ich eigentlich nichts mehr hinzuzufügen, außer dass ich hoffe, die Rasse überlebt die heutige Richtergeneration.

Der VDH hat seine Zuchtschauordnung nun auch in Ausstellungsreglement umbenannt. Auf den CACIB Ausstellungen treten die Hunde immer mehr in den Hintergrund und das ganze Drumherum wird immer wichtiger. Waren die "Ausstellungen" früher das Fenster der Kynologie, haben sie heute für die Zucht doch eher, obwohl die Wertigkeit gestiegen zu sein scheint, eine untergeordnete Bedeutung. Denn früher waren hoch bewertete Ausstellungshunde im Allgemeinen auch weitestgehend gesund bzw. sie mussten um Champion zu werden eine Zuchtzulassung und einen zuchtzulassenden HD-Befund haben. Allerdings war das im vorigen Jahrhundert. Heute können Hunde Champions werden, die aufgrund von ihrem Gesundheitsstatus keine Zuchtzulassung bekommen würden. Es ist also absolute Augenwischerei die heutige Ausstellungsszene noch in einem Atemzug mit der Zucht zu nennen. Die Frage, ob man Ausstellungen, sowie sie heute stattfinden noch braucht, erübrigt sich. Die Meldungen aus CACIB's sind ungebrochen hoch und viele sind bereit, für einen 3-Minutenauftritt 45 Euro Meldegeld plus Fahrkosten und Hotelkosten zu bezahlen. Das ist ja alles auch soweit in Ordnung, wenn es denn Spaß macht. Nur sollte man sich hüten, Hunde nach dem Geschmack der Richter zu züchten, denn der Standard bleibt dabei auf der Strecke.

Was habe ich nun aus diesem letzten Jahr gelernt?

Nun, Ausstellungen werden zwar weiterhin besucht, jedoch sehr gezielt und Richterabhängig. Man muss als Züchter seine eigenen Hunde mit denen der anderen vergleichen können. Meine Zuchtplanung wird nicht von der Meinung der sog. "Zuchtschaurichter" bestimmt werden. Nach den ganzen Erfahrungen der letzen Jahre wird mein Hauptaugenmerk weiterhin auf einem typischen English-Springer-Wesen liegen und natürlich hat die Gesundheit absolute Priorität. Enge oder engste Inzucht wird es bei mir nicht geben. Bei den anstehenden DNA-Untersuchungen muss immer ein Partner frei von ... sein, wobei der andere durchaus carrier oder affected sein kann. Diese wundervollen und von vielen Züchtern so verteufelten DNA- Tests sind in der moderneren Zucht einfach nicht mehr wegzudenken.

So jetzt habe ich fertig, wohlwissend, dass es genügend Leser (in erster Linie wohl Mitglieder des JSK) dieser Zeilen geben wird, die sich darüber, wie über meine ganze HP das Maul zerreissen, denn Kritik an diesem bestehenden System darf nicht geübt werden. Leider spricht mich nur selten jemand direkt an, ich höre es dann immer wieder hintenherum, schade!

Renate Schleicher