Jahresrückblick 2009


Wieder neigt sich ein Jahr dem Ende entgegen und ich nehme mir Zeit, das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen.

Das Highlight dieses Jahres war sicherlich unser erster Wurf nach Emma. Bei Emma war alles anders, als ich es von den bisherigen Würfen kannte. Es fing mit einer weißen Hitze an, trächtige Hündinnen sollen das beste und hochwertigste Futter bekommen, Emma fraß eigentlich den größten Teil der Tragezeit nichts, oder zumindest nicht viel und dann auch nicht immer das, was ich als hochwertiges H undefutter bezeichnen würde. Emma warf problemlos 9 Welpen mit gutem Geburtsgewicht, Emma fraß keine einzige Nachgeburt, hatte die ersten zwei Tage wenig Milch, aber dann ausreichend um die 9 Welpen alleine zu ernähren. Sie fraß weiterhin eher mäßig, aber nach ihrer Welpenaufzucht wog sie mehr als vor dem Decken. Ich bin sehr gespannt, wie sich dieser Wurf entwickeln wird. Bei der Abgabe waren alle Welpen sehr viel versprechend.

Leider häufen sich die Anrufe bei mir zum Thema Kastration. Viele Tierärzte kommen auf dieses Thema bereits bei dem ersten Tierarztbesuch, weisen die Hundebesitzer darauf hin, welche "Gefahren" sie ihren Hund aussetzen, bei Nichtbefolgen des Ratschlags baldige Kastration. Ich finde dieses Verhalten absolut unethisch!

Einem Hund eine vollkommen intakte Gebärmutter bzw. einem Rüden die gesunden Hoden herauszuschneiden ist für mich ein Verstoß gegen das gültige Tierschutzgesetz! Nach dem darf kein Körperteil entfernt werden, der gesund ist. Welchen Anfeindungen waren Züchter ausgesetzt, die eine Rasse hatten, die früher kupiert wurde. Man sprach davon dem Hund ein Stück von seiner Kommunikationsfähigkeit zu nehmen, von Tierquälerei usw. Und was machen die Tierärzte heute? Nimmt man mit der Kastration dem Tier nicht auch einen Teil seiner Kommunikationsfähigkeit? Der Geruch des Tieres verändert sich. Ganz abgesehen von den zu erwartenden Nebenwirkungen. Das ist bei langhaarigen Hunden ein katastrophales Haar, mögliche Inkontinenz (es kann zwar bis zu 3-4 Jahre dauern bis der Hund inkontinent wird, man bringt es dann nicht mehr mit der Kastration in Verbindung), verändertes Wesen.

Die Tierärzte heizen die Angst der Besitzer an, mit Argumenten wie Gebärmutterkrebs (gibt es bei Hunden fast nicht) Gebärmutterentzündung (kommt, wenn überhaupt, erst im Alter), Mammatumore (wenn rechtzeitig entdeckt meistens Mischtumore und gut zu behandeln). Selbst wenn der Hund im Alter eine dieser Krankheiten entwickeln sollte ist das mich kein Grund einem Hund im Alter von wenigen Monaten die Keimdrüsen herauszureißen. Denn alle diese Krankheiten können vorkommen, müssen aber nicht.

Ist es nicht schlimm, wenn in einer Hundegruppe festgestellt wird: "Was Ihr Hund ist noch nicht kastriert? Um Gotteswillen, das sollten Sie aber schnellsten erledigen."

Sollte es nicht das "Normale" sein, eine Hündin mit Gebärmutter und einen Rüden mit Hoden zu haben?

Müssen wir uns die Hunde wirklich "zurecht operieren"?

Ich denke, die Tierärzte sollten mal darüber nachdenken, was sie den armen Geschöpfen antun. Auch die Leiter von Hundegruppen, Trainern und selbsternannten Hundeverstehern mit und ohne Zertifikat sollten einmal darüber nachdenken, dass sich nicht jedes Verhaltensproblem (wenn es denn überhaupt ein solches ist) durch eine Kastration lösen lässt.

Ausstellungen: Obwohl wir uns natürlich über die Erfolge von Emma und Suzi Q. in diesem Jahr sehr gefreut haben, muss ich gestehen, dass die Ausstellungen einfach nicht mehr das sind, was sie waren. Wenn ich schon lese "Internationale Rassehundeausstellung in..." Eine VDH-Ausstellung und dann werden Mischlingsschauen abgehalten, dann ist das ein Widerspruch. Wenn dann, was ja selten genug geschieht, das Fernsehen von so einer Schau berichtet, dann bestimmt über die Mischlinge. Auf einer Rassehundeausstellung haben Mischlinge nichts zu suchen, basta!

Aber das ist leider noch nicht das Schlimmste. Immer wieder richten Richter Rassen, die sie nicht ausreichend kennen bzw. deren Standard ihnen nicht geläufig ist. Warum nur? Warum tut man das unsern Hunden an? Wie kann ein ESS, der höher als lang ist gewinnen? Nicht nur bei einem Richter, nein bei vielen. Zählt der Standard heute überhaupt nicht mehr? Nach welchen Kriterien wird heute gerichtet? Reicht es immer im gleichen Outfit zu erscheinen, sich auf den Schauen entsprechend in den Vordergrund zu spielen um zu gewinnen, reicht das heute? Ganz unbegreiflich für mich, wenn Samstag ein ESS von einem Spezialrichter wegen übergröße disqualifiziert wird und am Sonntag von einem Allrounder V1 und Anwartschaft erhält? Leider kann mir das auch niemand erklären, weil es nämlich nicht erklärbar ist! Es ist schädlich für die Rasse und einfach nicht mehr ernst zu nehmen. Wie ist folgende Aussage mit dem Standard zu erklären: "kurzer fester Rücken mit hohem Widerrist"? Eine Aussage, die dann mit V und Platzierungen belohnt wird. Der Standard spricht von einem Hund, der länger als hoch ist und im ganzen Standard kann ich keinen Hinweis auf den Widerrist finden, geschweige denn auf einen "hohen Widerrist". Ein ESS ist kein Pferd und braucht keinen hohen Widerrist. Er braucht einen festen Rücken, der im Verhältnis zur Höhe stehen muss, also etwas länger als hoch sein soll. Dann das "seidige" Haar. Ein ESS besitzt kein seidiges Haar, das Haar hat dicht, glatt und wetterresistent zu sein! Im ganzen Standard findet man das Wort "seidig" kein einziges Mal. Liebe Richter: Lest doch bitte den Standard, bevor ihr richtet, so kann es nicht weitergehen!

Sollte nicht das ganze Ausstellungswesen einmal gründlich überarbeitet werden? Sollten nicht auch die Gesundheitsergebnisse und der Inzuchtkoeffzient Einfluss auf die Platzierungen nehmen? Was nutzt es ein hoch ingezüchtetes Tier in den Ehrenring zu schicken, also auch noch eine Belohnung dafür, was man heute züchterisch nicht mehr will. Wenn ich z. B. die Paarklasse nehme: In der Paarklasse soll das idealtypische Zuchtpaar gefunden werden, also es sollen die Hunde vorne stehen, die sich so ähnlich wie möglich sehen. Was nehmen die Züchter? Wurfgeschwister, die allerdings sollte man nicht verpaaren - wie können sie dann das idealtypische Paar sein?

Auch wäre das Ausstellungswesen besser beraten, wenn das englische System bei uns Einzug halten würde, ohne Formwerte nur Platzierungen und ohne Berichte - dann brauchen die Richter ihr Unwissen nicht mehr unter Beweis zu stellen, denn die Definition der Formwerte ist heute sowieso nichts mehr wert und die meisten Richter kennen sie nicht mehr. Dann kann kein Hund samstags disqualifiziert werden und sonntags gewinnen. Dann wird er einfach samstags nicht platziert. Außerdem kann bei diesem System jeder Richter 150 - 180 Hunde pro Tag richten, die Meldegebühr könnte ermäßigt werden und man bräuchte weniger Richter, was der Organisation erhebliche Kosten sparen würde.

Ich weiß, dass der Kommerz in der Hundezucht eine immer größere Rolle spielt, der VDH will Meldungen um jeden Preis, denn nur dann rechnen sich die Schauen. War es früher verboten mit heißen Hündinnen das Ausstellungsgelände zu betreten, ist es jetzt erlaubt. Ich kann es nicht nachvollziehen, denn an die armen Rüden denkt niemand. Wo ist die Chancengleichheit? Wenn eine heiße Hündin im Ring zusammen mit einem nur halbwegs normalen Rüden steht, hat der doch keine Chance mehr.

Ich stelle weiterhin aus, aber nur noch bei Richtern, von denen ich weiß, dass sie den Standard kennen und umsetzen, ansonsten macht es keinen Sinn. Richterkritik ist nicht gestattet, aber ich sage viele Richter, denen es teilweise sogar lästig ist, diese Rasse zu richten, (man schaut nicht genau hin, man unterhält sich während des Bewertungsvorganges, man richtet mit patriotischem Auge, man kennt den Standard nicht, man zeigt deutlich, dass es auf einen korrekt gebauten Hund eigentlich nicht wirklich ankommt) sollten das Richten lieber sein lassen.

Interessant in diesem Zusammenhang war ein Vortrag, den ich dieses Jahr auf der Kynologischen Arbeitstagung in Leonberg von Frau Dr. Eichelberg gehört habe. Es ging um die "überinterpretation des Rassestandards". Sie wies zu Recht darauf hin, dass viele Rassehunde hervorragende Vertreter ihrer Rasse sind und man diese Hunde, die ja dem Standard entsprechen nicht noch größer, kleiner, mit noch kürzerer Nase, mit noch mehr Haar usw. züchten muss. Man sollte eine Erhaltungszucht betreiben. Die Richter, Züchter und Zuchtverantwortlichen der Rassehundeklubs sind dazu aufgerufen, gegen die überinterpretation vorzugehen. Ich bin da der gleichen Meinung, nur dazu müssten wieder vermehrt Richter eingeladen werden, die die Rasse kennen. Die Allrounder setzten das nach vorne, was spektakulär aussieht (z.B. viel Haar) und spektakulär läuft. Aber sind diese Hunde typisch? Auch habe ich beobachtet, dass die Hunde vom Richter immer weniger abgetastet werden. Wie will ein Richter unter viel Haar, ohne den Hund zu betasten, den Körperbau beurteilen? Er kann ihn nur erahnen.

Aber auch positive Ansätze gab es dieses Jahr. So ist wird ein Antrag an die MDV gestellt, Dummy-Arbeit und Dummy-Prüfungen in die PO aufzunehmen, bzw. eine neue PO für diese Prüfungen zu gestalten. Ich denke, das ist in der heutigen Zeit ein richtiger Weg um die Arbeitseigenschaften unsere Spaniels zu überprüfen und zu erhalten, ohne sie jagdlich führen zu müssen. Ich hoffe sehr, dass dieser Antrag die nötige Mehrheit findet.

Bezüglich Gesundheit hat sich auch einiges getan und ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass die Genomische Selektion auf HD (und später auch andere Erkrankungen) bei den Spaniel Einzug hält.

Leider sind in diesem Jahr einige von mir gezüchteten Hunde gestorben. Außer bei einer Hündin war es bei den Allen das Alter.

Für Alle, die nicht mehr sind:

Welkes Blatt

Jede Blüte will zur Frucht,
Jeder Morgen Abend werden,
Ewiges ist nicht auf Erden
Als der Wandel, als die Frucht.


Auch der schönste Sommer will
Einmal Herbst und Welke spüren.
Halte Blatt, geduldig still,
Wenn der Wind dich will entführen.


Spiel dein Spiel wehr dich nicht,
Lass es still geschehen.
Lass vom Winde, der dich bricht,
Dich nach Hause wehen.


Hermann Hesse


In diesem Sinne
Ein Frohes Neues Jahr 2010

Renate Schleicher Dezember 2009