Das Rasse-Portrait des English Springer Spaniel



Wie bei jeder Hunderasse ist es schwierig, die Entstehungsgeschichte nachzuvollziehen. Schon der Name "Spaniel" wird unterschiedlich gedeutet, es wird aber allgemein angenommen, daß römische Eroberer diese Rasse und ihren Wortstamm nach "Britannia" eingeführt haben.

Der English Springer Spaniel wird als alte Rasse reinen Ursprungs bezeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich auch hier das äußere Erscheinungsbild durch Kreuzungen der sogenannten "Familienschläge" oder Zuführung fremden Blutes geändert. Sehr deutlich sieht man diese Unterschiede, wenn man alte Gemälde oder Stiche mit Spaniels betrachtet. Weiter ist auffällig, daß auf diesen Bildern die Farbe des Spaniel fast ausschließlich braun/rot - weiß ist. Diese Farbe wird als die "ursprüngliche" Farbe angesehen. Was auch immer in der Vergangenheit versucht wurde, um die Springerzucht durch Experimente zu beeinflussen, wir sollten den Pionieren doch dankbar sein, daß sie eine Basis schufen für den Springer, wie wir ihn heute kennen und lieben.

In England wurde 1885 ein Spaniel-Klub gegründet, der die Standards festlegte, um für die verschiedenen Spanielrassen einen spezifischen Typ zu beschreiben.

In Deutschland wurde 1907 in München der Jagdspaniel-Klub e.V. gegründet, der seitdem auch die Rasse English Springer Spaniel betreut.

1903 kam es in England leider zu einer Spaltung, denn es bildeten sich zwei Lager, und zwar einmal die jagdliche Seite und zum anderen das Schau- und Ausstellungswesen. Die jagdlichen Vertreter haben unter Außerachtlassung des Standards nur die jagdlichen Qualitäten honoriert, während die andere Seite die Zucht des Springers hinsichtlich der Erfüllung des Standards voranbrachten. Der Standard des English Springer Spaniels muß jedoch unbedingt für beide Interessengruppen zutreffen und gleichermaßen ausgelegt werden.

Bemerkenswert ist, daß bereits in der ersten Dekade dieses Jahrhunderts bekannte englische Zwinger ihre Hunde auf Ausstellungen zeigten und auch damit arbeiteten. Diese Hunde entsprachen dem heutigen Erscheinungsbild schon weitgehend. Mit ihnen wurde der Grundstein für eine Entwicklung gelegt, die bis in die dreißiger Jahre nachvollziehbar ist - viele der damals erfolgreichen Hunde finden sich in den Ahnentafeln der heutigen Zuchtlinien als Vorfahren wieder.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde der English Springer Spaniel eine der populärsten Rassen in England, in den Jahren 1946/48 wurden beim Kennel Klub Rekordeintragungen verzeichnet. Mit dieser Entwicklung wurde der Begriff "Moderner English Springer" geprägt, das bedeutet, daß die Gesamterscheinung des Hundes harmonisch ausgeglichen wurde und nun insgesamt den Eindruck eines "rassigen" Jagdhundes vermittelt.

Der Jagdspaniel-Klub hatte in den ersten Jahren seines Bestehens bereits Eintragungen von English Springer Spaniels in den Zuchtbüchern. Interessant ist, daß es sich dabei hauptsächlich um englische Importe aus jagdlichen Linien handelte. Gleichfalls sieht man aus den Leistungsverzeichnissen, daß mit diesen Springern erfolgreich gearbeitet wurde.

Es ist bedauerlich, daß in den zwanziger und dreißiger Jahren diese so erfolgreich begonnene Entwicklung bis auf wenige Ausnahmen stagnierte. Generell kann gesagt werden, daß sich die Rasse in Deutschland nur zögernd durchsetzen konnte, im Gegensatz zu unseren europäischen Nachbarländern, hauptsächlich Frankreich, Holland und Skandinavien.

Bis in die späten fünfziger Jahre war für diese Rasse in Deutschland weder eine positive noch eine negative Entwicklung zu verzeichnen, wahrscheinlich bedingt durch die deutsche Kriegs- und Nachkriegsgeschichte. Erst dann gab es auch hier Züchter, die diese Rasse verbreiten wollten, aber kaum einer nahm Notiz.

Den Blick nach England gerichtet befinden wir uns während der siebziger Jahre in einer absoluten Blütezeit des English Springer, auch für englische Verhältnisse, die Zeit von "Hawkhill Connaught" und "Thornlea Cascade", um nur zwei Namen zu nennen. In England war der English Springer Spaniel schon immer ein beliebter Jagdgefährte, ein Arbeitshund für jede Aufgabe. Als man nach 1945 den Typ des "Modernen English Springer Spaniel" entwickelte, war er auch zunehmend auf Ausstellungen erfolgreich, diese Entwicklung hatte ihren Höhepunkt in "Hawkhill Connaught", der mit über 50 CC’s (=Challenge Certificates) noch heute - laut einer Umfrage der Zeitschrift Kennel Gazette - in England der bekannteste Springer aller Zeiten ist.


Sh.Ch. Hawkill Connaught

Um so erfreulicher ist es, daß gerade in den letzen Jahren die English Springer Spaniel-Zucht im deutschsprachigen Raum einen bemerkenswerten Aufschwung nahm - und warum eigentlich nicht !? Bringt doch diese Rasse soviel Vorzüge sowohl als Begleit- wie auch als Jagdhund mit, daß hier jedem Anspruch gerecht werden kann.

Auf einmal waren da English Springer Spaniel, die in der Endkonkurrenz die schönen Cocker Spaniel ausstechen konnten mit ihrer "rassigen, muskulösen, hellwachen und immer fröhlichen Erscheinung." Plötzlich kam eine Lawine ins Rollen, auf einmal hörte man Bemerkungen wie: "Ja, so einen Hund wollen wir auch", kurzum wir hier in Deutschland befinden uns erst am Anfang einer Entwicklung, die sich nicht aufhalten lassen wird, der English Springer Spaniel als mittelgroßer Hund kann für viele Spanielinteressenten die "Alternative" sein.

Die herausragenden Merkmale der Rasse sollen hier kurz beschrieben werden:

Der English Springer Spaniel ist ein mittelgroßer Hund (ca. 51 cm Schulterhöhe) mit harmonischem Gebäude, kräftig entwickelt ohne grob zu sein. Er wirkt elegant auch in der Bewegung, das ihm eigene Gangwerk unterstreicht seine Rasse, er zeigt Paßgang und bei flotter Bewegung einen weit ausgreifenden, freischwingenden Trab mit ungebrochenem Vorwärtsdrang.

Vervollständigt wird dieses Bild noch besonders durch seinen edlen, ausdrucksvollen Kopf mit hellwachem, aber sanftem Auge. Das I-Tüpfelchen ist eine klare Abgrenzung der Blesse am Kopf. Sein Haarkleid ist schlicht und dicht und es gibt ihn in den Farben leberbraun/weiß, schwarz/weiß oder jede dieser Farben mit Loh-Abzeichen.

Der English Springer Spaniel ist und bleibt ein Jagdhund. Er eignet sich auch hervorragend für jede Art von Hundesport, nicht jedoch für eine Schutzhundausbildung. Zu harte oder gar rüde Ausbildungsmethoden nimmt der English Springer Spaniel häufig übel und sind deshalb bei dieser Rasse nicht angebracht. Man muß konsequent und liebevoll mit ihm arbeiten, und zwar nicht nur in der Ausbildung, sondern auch im täglichen Leben. Dann hat man einen Hund, der jede ihm abverlangte Arbeit mit Freude ausführen wird.

Und - soviel Eifer er sowohl bei der Jagd als auch im Hundesport an den Tag legt - zu Hause ist er ruhig, ausgeglichen, weit entfernt von Nervosität, liebt die Gemeinsamkeit innerhalb der Familie. Er braucht allerdings seinen täglichen Spaziergang, bei dem er sich austoben kann. Er ist absolut ungeeignet für Zwingerhaltung. Auch eine Welpenaufzucht ausschließlich in Zwingerhaltung, ohne genügend Abwechslung und Familienkontakt, ist für seinen Charakter schädlich und muß abgelehnt werden.

Der English Springer Spaniel ist ein sich langsam entwickelnder Hund, er erreicht mit acht Monaten seine Körpergröße und formt sich dann aus, der Rüde bis ca. drei Jahre, die Hündin bis ca. zwei Jahre. In diesen ersten Lebensjahren ist er ein Kind, mehr zu Dummheiten aufgelegt als zur Ernsthaftigkeit. Während dieser Zeit mit ihm umzugehen erfordert viel Geduld, die Zeit sollte ausgenutzt werden, eine Vertrauensbeziehung aufzubauen, die für das Zusammenleben mit dieser Rasse unabdingbar ist.

Beziehung und Bezugsperson oder -familie spielen die wichtigste Rolle im Dasein des Springers, er ist sehr feinfühlig, manchmal fast mimosenhaft, er braucht den Kontakt zu seiner Familie, will nicht ausgegrenzt sein, ist dabei aber nicht aufdringlich oder besitzergreifend, sondern geduldig im Hintergrund. Für Stimmungen ist er sehr empfänglich, feindliche Absichten erkennt er sofort, er ist nicht zu überlisten. Fremden gegenüber neigt der Springer zur Zurückhaltung, er sucht sich seine Freunde aus und ignoriert vollkommen diejenigen, mit denen er nichts zu tun haben will. Hat man sein Hundeherz erobert, hält die Freundschaft auf Dauer, er ist nicht launenhaft und drückt seine Empfindungen unmißverständlich aus. Ungerechtigkeiten ihm gegenüber ahndet er mit Verachtung. Seinem "Menschen" will er gefallen, reagiert auf Lob viel intensiver als auf Tadel, die Erziehung muß mit Konsequenz, aber ohne Härte durchgeführt werden. Rauhe Ausbildungsmethoden nimmt er übel und straft sie, indem er sich verweigert. Diese Verweigerung kann unter Umständen von langer Dauer sein und die gesamte Ausbildung in Frage stellen.

Wer nun aber glaubt, der English Springer Spaniel sei vom Wesen her ein passiver Hund, der irrt. Bei all seinen Bemühungen, dem Menschen zu gefallen, ist er niemals unterwürfig, sondern sehr selbstbewußt. Anderen Hunden gegenüber kein Raufer, aber wohl verteidigt er seine Position.

Die Entwicklung des English Springer Spaniel in England und Amerika

Wie schon zuvor beschrieben, ist der English Springer Spaniel eine Rasse von altem und reinem Ursprung. Dieser Hintergrund ist heute kaum vorstellbar, wenn man die verschiedenen Entwicklungsrichtungen der Rasse miteinander vergleicht.

Im Mutterland England fand bekanntlich um die Jahrhundertwende die Spaltung der Zucht in zwei Lager statt. Bis nach 1945 hat das äußere Erscheinungsbild dieser beiden Richtungen nicht erheblich differiert, dann aber, wahrscheinlich durch die modernen Verkehrsmittel bedingt, haben die den Standard erstrebenden Züchter einen Springertyp festigen können, der unter dem Begriff "Moderner English Springer Spaniel" geläufig ist, die andere, rein jagdlich orientierte Richtung, hat sich der Wandlung des Typs nicht angeschlossen. Dort wurden und werden English Springer Spaniels gezüchtet, die den Hunden entsprechen, wie sie vor dem Krieg zu sehen waren. Dieser Schlag wird allgemein als "Field Trialer" oder "Working English Springer Spaniel" bezeichnet. Alle diese Hunde jedoch bezeichnen sich zu Recht als English Springer Spaniel, der Kennel Klub kennt in seinen Bestimmungen keine Zuchtzulassung oder Confirmation. Es genügt zur Zucht der Nachweis der Reinrassigkeit, und diesen Nachweis können die Field Trialer führen. Solche Hunde, wenn von England nach Deutschland importiert, werden im Jagdspaniel-Klub eingetragen, wenn jedoch mit ihnen gezüchtet werden soll, benötigen sie eine Zuchtzulassung des Jagdspaniel-Klubs und die werden sie meistens nicht erhalten können, da sie sich vom Standard zu weit entfernt haben.

Für die Engländer ist das Nebeneinander der beiden Schläge kein Problem, "Field Trialer" sind nur selten auf Ausstellungen zu sehen, die Besitzer wissen, daß ihre Hunde dort nicht bestehen können. Die große Verbreitung von "Working Springer" läßt aber den Schluß zu, daß es sich um einen hervorragenden Jagdhund handelt ( für die englische Art zu jagen).

 

Der English Springer Spaniel in England
"Moderner English Springer Spaniel"


Der Standard spricht von einem rassigen Hund, kompakt und kräftig. Das Gebäude ist nicht zu lang, nicht zu kurz. Die Rippen sind gut gerundet und die Lende muskulös, kurz und gewölbt. Insgesamt vermittelt er den Eindruck eines ausdauernden und kräftigen Hundes. Sein Haarkleid ist dicht und glatt, ist durch die Beschaffenheit wetterbeständig, weist einen natürlichen Ölgehalt auf. Die Befederung an den Läufen, Behängen und am Gebäude ist mäßig. Kopf und Ausdruck spiegeln die Rasse und den Adel. Der Schädel soll nur mäßig breit sein, Fang und Lefzen mäßig tief und quadratisch. Die Augen sind mandelförmig und liegen nicht zu tief in den Höhlen, noch stehen sie hervor. Der Blick ist hellwach und intelligent, helle stechende Augen sind nicht erlaubt. Die Farbzeichnung ist festgelegt: leberbraun/weiß (liver/white), schwarz/weiß und beides mit Loh-Abzeichen. Die Farbverteilung ist unterschiedlich, erwünscht ist eine gewisse Ausgeglichenheit zu der weißen Farbe. Diese ist an den Läufen und am Fang mit Tupfen (tickering) durchsetzt. Als besonders attraktiv wird die weiße Kopfblesse angesehen.

Das Gangwerk des English Springer Spaniels ist ihm vollkommen eigen und charakteristisch für seine Rasse: frei, leicht und weit ausschwingend aus der Schulter. Der Rücken ist dabei gerade, fällt nicht ab und wird auch nicht gezogen. Die Rute wird in Verlängerung des Rückens freudig getragen. Der Standard weist auf die "herkömmlicherweise" kupierte Rute hin. In Deutschland stellt sich die Frage Kupieren ja oder nein seit Mitte 1998 nicht mehr, denn wir haben ein gesetzliches Kupierverbot d.h. es darf kein Hund mehr an den Ohren oder den Ruten kupiert werden. Diese Hunde eignen sich sowohl für die Ausstellung als auch als Jagd- und Begleithund. Die Bezeichnung "Dual Purpose", wörtlich etwa doppelte Eignung, trifft auf diese Hunde zu.

 

"Working English Springer Spaniel"


Field Trialer sind, so lauten Berichte aus England, universell einzusetzende Jagdhunde, die jeder Anforderung gerecht werden. Hierfür sind sie gezüchtet, der Standard und überhaupt die äußere Erscheinung wurden gänzlich außer acht gelassen. Bei Zwingerannoncen wird als Kennzeichnung der Zusatz (FT) = Field Trialer hinzugefügt. Hunde aus diesen Linien sind meist erheblich kleiner als die Vorgabe im Standard, der Körperbau wirkt gedrungen und die Läufe sind kurz, vermitteln den Eindruck eines kleineren längeren Hundes. Zweckmäßigerweise ist das Haar knapp, fast spärlich, die Ausgewogenheit der Farbzeichnung ist nebensächlich, es kommt vor, daß nur Kopf und die Rute abgesetzt sind. Lediglich die Textur des Haares ist geblieben: glatt, wetter- und wasserbeständig. Die Kopfform ist keilförmig, ein breiter Oberkopf und ein spitz zulaufender Fang können den Eindruck von Adel nicht entstehen lassen. Die Behänge sind hoch, weit über Augenhöhe angesetzt, sind insgesamt kürzer und leichter. Die Rute wird länger belassen, erwünscht ist eine weiße Spitze.

Die oben genannten Abweichungen vom Standard sind für unsere deutschen Bestimmungen die Begründung, daß diesen Tieren eine Zuchtzulassung verweigert wird. In Deutschland gelten auch für die jagdlichen Linien uneingeschränkt die Zucht- und Eintragungsbestimmungen und der ihnen zu Grunde liegende Standard.

Der English Springer Spaniel in Amerika
"Amerikanischer Typ"



Der AKC-Standard für den English Springer Spaniel von 1978 weist gegenüber dem Standard aus England erhebliche Abweichungen bezüglich Gebäude und Kopf auf. Augenfällig ist die Proportion! Der Springer steht im Quadrat, die Rückenlinie soll leicht abfallen. Für Rüden und Hündinnen sind verschiedene Größen vorgegeben, Rüde 20 inches und Hündin 19 inches (51 cm/48,5 cm). Der Kopf soll etwa die gleiche Länge haben wie der Hals, er ist flach im Oberkopf, an den Seiten und hinten abgerundet. Die Breite des Fanges wird definiert als die Hälfte der Breite des Oberkopfes (von oben betrachtet). Die Lefzen sollen quadratisch sein, aber soeben die Unterlippe bedecken. Das Haar ist üppig, die Abgrenzung der Farben klar, das Weiß wird wenig, bevorzugt gar nicht von Tupfen (tickering) unterbrochen. Der "Amerikanische Typ" bewegt sich kraftvoll und ausgreifend, das Gangwerk ist aber nicht mehr freischwingend, anatomisch bedingt durch den abfallenden Rücken. Für den Betrachter ergibt sich ein bestechendes Bild, vor allem dann, wenn er den Cocker Spaniel bei den Spanielrassen favorisiert. Das Auge befreundet sich sofort mit dem Typ, das Haarkleid ist voll bis üppig und nach dem Trimming eine Pracht, ähnlich wie bei dem American Cocker Spaniel. Die Textur des Haares ist oft seidig, obwohl auch der AKC-Standard hier die Wetterbeständigkeit vorschreibt. Grundsätzlich soll auch der amerikanische Schlag den "sporting dog" verkörpern, der dem Einsatz bei der Jagd gewachsen ist.

"Amerikanische Typen", die aus den USA importiert werden, dürfen nicht pauschal verurteilt werden: Sie sind nach einem gültigen Standard gezüchtet (AKC-Standard). Ihre spektakulären Erfolge in Amerika begründen sich durch Auslegung des Standards in dieser Form. Unbestritten weicht dieser Standard von dem des Mutterlandes ab, er wurde der FCI zur Anerkennung nicht vorgelegt und ist daher nicht in den Ländern gültig, die der FCI angeschlossen sind. Es ist deshalb nicht möglich, daß diese Hunde in den FCI-Ländern den höchsten Formwert erreichen.

Die einfachste Lösung wäre die Spaltung der Rasse, ähnlich wie beim Cocker Spaniel. Die Initiative hierzu müßte von Amerika ergriffen werden, aber dort besteht offensichtlich kein Handlungsbedarf. Allerdings könnte eine Spaltung auch nicht alle Probleme lösen. Denn die Frage nach den "Mischtypen" wäre damit nicht beantwortet. Glücklicherweise kann in Deutschland der nicht standardkonformen Zucht ein Riegel vorgeschoben werden. Da jeder Spaniel, bevor er züchterisch eingesetzt wird, auf seine Konformität mit dem Rassestandard untersucht wird, muß den "Amerikanischen Typen", wie auch den "Working Springern", die Zuchtzulassung verweigert werden.

Die Situation ist für die Rasse gefährlich, alle weit auseinander entwickelten Richtungen tragen denselben Namen "ENGLISH SPRINGER SPANIEL". Für uns verbindlich ist einzig und allein der Standard des Englischen Kennel Club. Alle Züchter und Richter sind dazu aufgerufen die Rasse einzig und allein danach zu züchten und zu richten. Es wird leider wider besseren Wissens in Deutschland noch bewußt für "amerikanische Typen" geworben und damit die Verwirrung noch vergrößert.

In Deutschland werden z. Zt. ca. 180 – 220 Welpen im Jahr in das Zuchtbuch eingetragen. Die Rasse wird bekannter und es werden immer mehr English Springer Spaniel aus England, Dänemark, Schweden und Finnland importiert. Die Qualität der gezüchteten Hunde ist in den letzten Jahren dank einiger engagierter Züchter angestiegen und man sieht auf den Internationalen Zuchtschauen vermehrt Tiere dieser Rasse, die durchaus auch in den Gruppenkonkurrenzen auf dem obersten Treppchen stehen können. Hoffen wir, daß die eingeschlagene Entwicklung so weiter geht und wir hier in Deutschland das Erbe einer ganz tollen Rasse unverfälscht bewahren können.

 

Der English Springer Spaniel
Ein Hund für den Jäger?

Der English Springer Spaniel gehört wie alle anderen Spanielrassen (mit Ausnahme des Irish und American Water Spaniel) auch, in Deutschland zu den Stöberhunden, d. h. zu derjenigen Jagdhundegruppe, welche zum Aufstöbern des Wildes in unübersichtlichem Gelände eingesetzt wird. Aus der Rassegeschichte wissen wir aber, daß der English Springer Spaniel von seinem Ursprung her ein Buschierhund war. Für einen Stöberhund ist der Spurlaut unabdingbar. Bei einem Buschierhund ist der Laut nicht nur nicht erforderlich, sondern sogar störend. Da alle unsere heutigen English Springer Spaniel vom Ursprung her aus englischen Züchtungen stammen, in denen die Spurlautanlage unterdrückt, jedoch nie ganz ausgerottet wurde, ist es einigen engagierten Züchtern in Deutschland, ebenso wie in der Schweiz und in Österreich gelungen, fast sichere spurlaute Linien aufzubauen und damit dem Jäger, der einen spurlauten Stöberhund will, erstklassige Hunde anzubieten. Es darf dabei aber nicht vergessen werden, daß auch nichtlaute English Springer Spaniel zu hervorragenden Jagdhunden ausgebildet werden können, eben für diese Jäger, die ihre Hunde nicht als Stöber- sondern als Buschierhunde führen.

Ob Spurlaut oder nicht, fast alle gehen gern ins Wasser und durch ihre gute Nase gibt es bei der Ausbildung auf Schweiß wenig Probleme. Insbesondere dann, wenn man bereits mit einem Welpen auf der Futterschleppe damit begonnen hat. Bedingt durch ihre Größe (ca. 51 cm Widerristhöhe) haben sie keine Probleme beim Apportieren auch von etwas größeren Tieren.